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I Fall und Aufstieg eines Stadtparks
Rise and Fall of a Public Park

Pubilc Space, Stadtkrone Dorsten
2018

Video- and Sound Installation, Mixed Media

Three weeks long, Textfragments on signs from Bertholt Brechts „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ had been installed in and around the Public Park in Dorsten and geathered for a final presentation.


Eine Stadt erweckt einen alten Freizeitpark zu neuem Leben. 40 Jahre Dornröschenschlaf. Ein künstlerisches StadtraumKonzept kann nur so gut sein, wie die Künstler, die es lädt. Seismografische Fragen, die an den Kern fassen, sind das Fluidum, aus dem Räume Kraftschöpfen können. Vier Wochen Vor-Ort-Atelierarbeit in einer Tag um Tag in der sengenden Sommerhitze zusehends verdorrenden Aue. Der Klimawandel als szenischer Begleitdramaturg. Wassermangel.

Menschenmangel; ist das so?

„Ohne jede Spur eines Menschen?

Oder ohne jede Spur der erhoffen Menschen?“ (Sadiq)

Dem Brecht'schen „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ genau aufs Verderben geschaut, dringt Sadiq recht zügig zum Kern des neuen bürgerschaftlich getragenen Stadtparkprozesses durch. Wer Menschen meint, muss sich fragen lassen, ob es da auch mit rechten, also eher gerechten Dingen zugeht. Wieviel Klassifizierung steckt in jedem von uns, wieviel Ausgrenzung, Abgrenzung. Grenzenlose Offenheit, ist das ein Maßstab, den man anlegen kann, gibt es den als menschlichen Maßstab überhaupt? Und wie frei kann ein menschgemachter Ort sich denn überhaupt als „FreiRaum“ entfalten?

Sadiq fräst sich mit Fragen und Wortfalten durch diese staubige Wüstenei, die Park war und wieder werden will, das Brechtsche Sezierbesteck im Gepäck. Aufgespießte sandfarbene Pappen türmen sich zu Dialogfeldern auf, verstellen den Weg, irritieren gewohnte Sehstraßen, machen sprachlos und verdoppeln auf der Stelle den Gedankenfuss.

„Unten am Fluss wird aber doch Gold gefunden.“ (Brecht)

Wer bleibt. Was bleibt. Prinzip Hoffnung oder Untergangsszenario, dieses Vexierbild der Möglichkeiten hängt am seidenen Faden der großen menschlichen Mißverständnisse. Ist Gold als Werteimmanenz nicht immer schon dem schnöden Mammon geweiht, nicht nur, weil es glänzt, sondern immerzu, bis ans Ende aller Tage, das Beste in uns verführt, zumeist nicht zum Besseren.

Welchen Wert messen wir einem vergessenen Land zu, uns selbst sorgsamst bei der Inbesitznahme desselben unter die Lupe nehmend. Sadiq ermuntert uns, das dröge Terrain der Selbstbefragung mit unserem munteren kritischen Geist zu wässern, aufdass wir darin einst baden wie die alten Römer in der Lippe, damals als Dorsten noch Köln hätte werden können..., andere Geschichte.
(Marion Taube)